5. Juni 2020

Der steinige Weg zurück zur neuen Normalität – die Zustimmung zu den Maßnahmen und das Vertrauen in die Regierungen sinken in den G7-Staaten


61 Prozent glauben, dass ihre Volkswirtschaft geschwächt aus der Coronakrise hervorgeht - Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten würden eine App zur Kontaktverfolgung nutzen

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München/London, 5. Juni 2020 – In der dritten Welle der Kantar-Studie über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Gesellschaft in den G7-Staaten zeigt sich ein rückläufiges Zustimmungs- und Vertrauensniveau in die Regierungen. Eine Mehrheit geht davon aus, dass ihre nationale Volkswirtschaft nach der Coronakrise geschwächt sein wird.

🔎 Studiendownload: Wahrnehmung von COVID-19 in den G7-Staaten Welle #3 (PDF)

Kernergebnisse der Kantar G7-Befragung zwischen dem 28. Mai und 1. Juni 2020

  • Die allgemeine Zustimmung und das Vertrauen in die Regierung haben abgenommen, wobei es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt. Innerhalb der gesamten G7-Staaten befürwortet weniger als die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) die Reaktion ihrer Regierung auf die Pandemie, verglichen mit 50 Prozent im April und 54 Prozent im März. In allen Ländern außer Japan (37 Prozent, +7 [1]) ging die Zustimmung ab April zurück: Kanada 70 Prozent (-4), Deutschland 65 Prozent (-2), Italien 65 Prozent (-6), USA 42 Prozent (-4), Frankreich 41 Prozent (-2) und Großbritannien 51 Prozent (-18).
  • Nur die Hälfte der Befragten aus den G7-Staaten gibt an, in gewissem Maße darauf zu vertrauen, dass ihre Regierung in Zukunft die richtigen Entscheidungen treffen wird. Diese Einschätzung basiert auf deren bisherige Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus. Während in den G7-Staaten damit seit März ein Rückgang (-9) zu verzeichnen ist, sticht Deutschland mit stabilen hohen Vertrauenswerten von 67 Prozent (0) zusammen mit Kanada 72 Prozent (-5) heraus.
  • 61 Prozent der Bevölkerung der G7-Staaten glauben, dass ihre Volkswirtschaft ein bisschen oder sogar viel schwächer sein wird, als vor dem Ausbruch des Coronavirus.
  • Jeder und jede siebte (14 Prozent, -2) gibt an, die Hälfte seines/ihres persönlichen Einkommens oder mehr verloren zu haben.
  • Über die Hälfte (52 Prozent) gibt an, dass sie eine Kontaktverfolgungs-App verwenden würden, um andere Nutzer zu benachrichtigen, wenn sie mit jemandem in Kontakt waren, der mit dem Coronavirus infiziert ist. Bei denen, die keine App verwenden würden, ist die Sorge um den Datenschutz das größte Hindernis für die Akzeptanz dieser (62 Prozent).

Diese Meinungsumfrage unter den G7-Bürgerinnen und -Bürgern wurde mit Blick auf die Vorgaben von Social Distancing online durchgeführt. Die Studie beinhaltet Fragen zu den finanziellen Auswirkungen auf Privatpersonen und Haushalte, zur Wahrnehmung von Ratschlägen und Reaktionen der Regierung, zur vertrauenswürdigsten Informationsquelle und zur Sichtweise der Verhaltensweisen nach der Coronavirus-Ausgangssperre.

Bewertung der Regierungsleistung

Mit dem Beginn der unterschiedlichen Anpassungen der Ausgangsbeschränkungen durch die Regierungen, sehen immer weniger Menschen, dass im Vergleich zum April das richtige Gleichgewicht zwischen der Unterstützung der Wirtschaft und dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung gefunden wurde (27 Prozent, -6). 39 Prozent der Befragten (+3) sind der Ansicht, dass zu viel Wert auf die Unterstützung der Wirtschaft und nicht genug auf den Schutz der Gesundheit der Menschen gelegt wird. 22 Prozent (+3) glauben, dass ihre Regierung den Schutz der Gesundheit gegenüber der Unterstützung der Wirtschaft zu stark gewichtet.

  • Die Bereitstellung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Tests zur Untersuchung von Verdachtsfällen durch die Regierung werden von nur von 51 Prozent als sehr gut oder ziemlich gut eingestuft.
  • 44 Prozent der Menschen bewerten die internationale Zusammenarbeit zwischen Ländern als sehr gut oder als ziemlich gut. Im April lag dieser Wert noch bei 51 Prozent.
  • Im Gegensatz dazu denken 50 Prozent der Menschen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien, dass die Zusammenarbeit zwischen europäischen Ländern sehr oder auch ziemlich gut ist, ähnlich wie 51 Prozent im April.

Auswirkungen auf die persönlichen Finanzen

  • 37 Prozent geben an, dass das Coronavirus bereits Auswirkungen auf ihr persönliches Einkommen hat (keine Änderung). Weitere 30 Prozent geben an, dass sie dies in Zukunft erwarten (-5).
  • Von den Personen, die einen Verlust des persönlichen Einkommens melden, geben 39 Prozent (-5) einen Verlust von der Hälfte oder mehr an. Dies entspricht 14 Prozent (-2) der Menschen in den G7-Staaten.
  • 45 Prozent (-3) der Menschen in den G7-Staaten bewerten die Unterstützung ihrer Regierung für Menschen mit Einkommensverlust als sehr oder ziemlich gut, während 49 Prozent (+3) die Unterstützung als sehr oder ziemlich schlecht bewerten. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind im Vergleich der G7-Staaten häufiger und damit mehrheitlich bereit, der Bundesregierung eine (sehr) gute Unterstützung zu attestieren (61 Prozent, -3).
  • In ähnlicher Weise bewerten 41 Prozent der Befragten (-4) die Leistung des Staates bei der Unterstützung von Unternehmen, die mit Schließungen und Einkommensverlusten konfrontiert sind, als gut oder sehr gut, verglichen mit 50 Prozent (+3), die diese als schlecht bewerten.

Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus

  • Drei Viertel der Menschen (75 Prozent, +23) geben an, jetzt Masken zu tragen – Während es in Großbritannien keine allgemeine Pflicht gibt, Masken zu tragen und deshalb eher weniger Menschen diese aufsetzen (35 Prozent, +15), hat sich diese Anforderung in Deutschland seit der letzten Erhebung als neue soziale Norm sehr stark verbreitet. Drei Viertel (75 Prozent, +48) der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gibt an, dieser Verpflichtung Folge zu leisten.
  • Während sich einige Länder der G7 in verschiedenen Phasen befinden, in denen sie Kontaktverfolgungs-Apps starten, um Ausbrüche des Virus zu verfolgen, geben 52 Prozent der Menschen an, dass sie eine Kontaktverfolgungs-App mit hoher Wahrscheinlichkeit verwenden würden. Menschen in Großbritannien (63 Prozent) und Italien (58 Prozent) sagen am ehesten, dass sie eine solche App benutzen würden. Während vor allem in Frankreich und Japan (je 45 Prozent) solch eine App seltener genutzt werden würde, liegt der Anteil für Deutschland (53 Prozent) leicht oberhalb des Durchschnitts der G7-Staaten.
  • Von denen, die sagen, dass es ziemlich oder sogar sehr unwahrscheinlich ist, dass sie eine solche Kontakt-App verwenden, sind Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes das größte Problem (62 Prozent), gefolgt von der Forderung, dass die Regierung ihren Standort nicht nachverfolgen soll (52 Prozent) und den Zweifeln an der Wirksamkeit dieser Apps (34 Prozent). In den USA (73 Prozent) und Kanada (68 Prozent) sind die Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre am größten.
  • Mit Blick auf längerfristige Interventionen, um sich selbst vor dem Coronavirus zu schützen, sagen sieben von zehn (71 Prozent) Menschen, dass sie sich definitiv oder wahrscheinlich impfen lassen würden, sobald ein Impfstoff verfügbar sein wird.

Rolle des Klimaschutzes

  • Jeder und jede Dritte (33 Prozent) ist der Meinung, dass nach dem Ausbruch des Coronavirus, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels für die Regierungen eine höhere Priorität haben sollten. Im Vergleich zu Italien (48 Prozent) wird diese Meinung in Deutschland (35 Prozent) nicht so viel häufiger als im Schnitt der G7-Staaten geäußert.

Ein Blick auf das Leben nach dem Lockdown

  • Bei der Wahl der Verkehrsmittel wird der öffentliche Nahverkehr zugunsten des Autos Federn lassen müssen. Jede und jeder Dritte (31 Prozent) gibt an, dass er oder sie die öffentlichen Verkehrsmittel nach den Ausgangsbeschränkungen weniger als zuvor nutzen wird. Im Vergleich zu Italien (40 Prozent) gilt das in Deutschland seltener (26 Prozent).
  • Die Hälfte der Arbeitnehmer*innen (48 Prozent) fühlt sich wohl bei dem Gedanken, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, wenn das möglich wird. Jedem und jeder Dritten (33 Prozent) ist bei diesem Gedanken nicht oder gar nicht wohl dabei.
  • Ein Drittel der Arbeitnehmer*innen (34 Prozent) gibt an nach Beendigung des Lockdowns ein wenig/viel mehr von zu Hause aus zu arbeiten, verglichen mit ihren Arbeitsgewohnheiten vor der Pandemie.
  • Vier von zehn der Befragten mit Kindern (40 Prozent) geben an, es nicht sehr oder gar nicht zu befürworten, ihre Kinder bei einer Wiedereröffnung wieder zur Schule zu schicken. 35 Prozent hingegen fühlen sich dabei sehr oder ziemlich wohl.
  • Vier von zehn (40 Prozent) planen, selbst wenn es wieder sicher ist, Restaurants und Cafés etwas oder viel seltener als vor der Pandemie zu besuchen. 36 Prozent sagen dasselbe von Pubs und Bars, kulturellen Großveranstaltungen und Kinos.
  • Zwölf Prozent erwartet eine Rückkehr zur Normalität bis Juli/August, weitere 68 Prozent gehen von einer längeren Zeitspanne bis zur Rückkehr zur Normalität aus.

„Wenn Gesellschaften in die ‘neue Normalität’ übergehen, zeigen sich die üblichen Differenzen in der Gesellschaft. Gelang es vorher in Zeiten einer großen nationalen Krise breite Mehrheiten der Bevölkerung für die erforderlichen Notmaßnahmen zu gewinnen, wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierungen auf eine neue Probe gestellt. Daher ist es für die Regierungen von entscheidender Bedeutung, die nun einsetzenden Lockerungen, die nicht alle gesellschaftlichen Bereiche zeitgleich erfassen können, gut zu begründen. In dieser Phase der Krise verstetigt sich das große Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise in allen G7-Staaten. Dessen ungeachtet können wir aber auch erkennen, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerungen in den G7-Staaten bereit ist, die „neuen Normen“ mitzutragen. Entscheidend wird sein, mit welchem inneren Zusammenhalt die jeweiligen Gesellschaften die Zeit nach der Krise gemeinsam angehen.“
Ingo Leven, Director der Public Division in Deutschland

Weitere Erkenntnisse aus der G7-Studie:

Vertrauen in die Medien

  • Fernsehnachrichten gelten nach wie vor als vertrauenswürdigste Quelle für zuverlässige Informationen über das Virus in Japan (42 Prozent, -4), Deutschland (28 Prozent, -5) und Großbritannien (25 Prozent, -3).
  • In Frankreich (31 Prozent, +9), Italien (29 Prozent, +11) und den USA (34 Prozent, +3) ist der Arzt oder Gesundheitsdienstleister am vertrauenswürdigsten.
  • Im Gegensatz zu den bisherigen Untersuchungswellen werden die Regierung und Politik in keiner der G7-Staaten mehr als vertrauenswürdigste Informationsquelle aufgeführt.

Wie verschiedene Bevölkerungsgruppen die Pandemie erleben

  • Ältere Menschen glauben eher, dass die Regierung das richtige Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Wirtschaft und dem Schutz der Gesundheit der Menschen gefunden hat. 32 Prozent der 55- bis 64-Jährigen und 33 Prozent der 65-Jährigen sind dieser Ansicht, verglichen mit 19 Prozent der 16- bis 34-Jährigen.
  • Jüngere Menschen geben eher an, dass sie eine Anwendung zur Kontaktverfolgung verwenden würden. 62 Prozent der 16- bis 24-Jährigen würden dies sehr oder ziemlich wahrscheinlich tun, verglichen mit 47 Prozent der 55- bis 64-Jährigen und 48 Prozent der über 65-Jährigen.
  • Jüngere Menschen geben seltener an, eine Maske zu tragen – 68 Prozent der 16- bis 24-Jährigen, 67 Prozent der 25- bis 34-Jährigen im Vergleich zu 81 Prozent der 55- bis 64-Jährigen und 84 Prozent der über 65-Jährigen

Verhaltensänderungen nach Corona

  • Jüngere Menschen sagen eher, dass sie die öffentlichen Verkehrsmittel weniger als früher benutzen werden, wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben sind. 39 Prozent der 16- bis 24-Jährigen geben dies an, verglichen mit 28 Prozent der über 55-Jährigen.

Zusammenhalt der Gemeinschaft

  • 35 Prozent der Menschen in den G7 geben an, dass der Zusammenhalt der Gemeinschaft in ihrem Land nach dem Ausbruch des Coronavirus viel/ein bisschen stärker sein wird. Am höchsten ist der Wert in Großbritannien (43 Prozent), Deutschland (37 Prozent) und den USA (37 Prozent). 29 Prozent der Menschen in den G7 glauben, dass der Zusammenhalt der Gemeinschaft in ihrem Land etwas/viel schwächer sein wird. Die Menschen in Italien sagen dies am ehesten (39 Prozent).
  • 37 Prozent der Menschen in den G7 glauben, dass das internationale Ansehen ihres Landes nach dem Ausbruch des Coronavirus etwas/viel schwächer sein wird. Am höchsten ist dieser Anteil in den USA (47 Prozent), Italien (41 Prozent) und Großbritannien (38 Prozent).

Internationale Zusammenarbeit

  • 50 Prozent (-2) der G7-Bürger der Europäischen Union vertrauen darauf, dass diese auch in Zukunft die richtigen Entscheidungen trifft. Grundlage ist die bisherige Reaktion der EU auf den Ausbruch des Coronavirus.
  • 40 Prozent (-3) der europäischen Bürger denken, dass die Europäische Union schwächer sein wird, wenn der Ausbruch vorbei ist, verglichen mit 17 Prozent (-2), die sagen, dass sie stärker sein wird, 33 Prozent (+6), die dasselbe sagen wie zuvor und 10 Prozent (-1), die antworten, dass sie es nicht wissen.

[1] Die Ziffern mit Vorzeichen in Klammern geben die Veränderung in Prozentpunkten im Vergleich zur zweiten Forschungswelle an, die in der G7 (Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Italien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika.) zwischen dem 9. und 13. April 2020 durchgeführt wurde; veröffentlicht und am 17. April veröffentlicht wurde.

Informationen zur Methodik

Zwischen dem 28. Mai und 1. Juni 2020 wurden insgesamt 7.0012 Online-Interviews mit Erwachsenen (16+) durchgeführt, die in den G7-Staaten Kanada (1.003), Frankreich (1.001), Deutschland (1.001), Italien (1.003), Japan (1.003), Großbritannien (1.000) und den USA (1.001) leben. Die Interviews wurden online mit dem Kantar-Online-Panel als Stichprobenquelle durchgeführt.

Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Bildung für jedes Land im Bezug auf die Bevölkerungsgröße gewichtet. Für die Ergebnisse über alle G7-Länder hinweg wurden die Länder entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße gewichtet.

[1] Die Ziffern mit Vorzeichen in Klammern geben die Veränderung in Prozentpunkten im Vergleich zur ersten Forschungswelle an, die in der G7 (Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Italien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika.) zwischen dem 19. und 21. März durchgeführt und am 25. März veröffentlicht wurde.

Über Kantar: Kantar ist eines der weltweit führenden Unternehmen für Daten, Insights und Beratungsleistungen. Wir verstehen, was Menschen denken, fühlen, einkaufen, wählen, lesen, sehen und teilen. Die mehr als 30.000 Mitarbeiter von Kantar kombinieren Fachwissen über menschliches Verhalten mit fortschrittlichen Technologien und tragen so zum Erfolg und Wachstum von weltweit führenden Unternehmen und Organisationen bei.

Hinweise für die Redaktion

Pflichtangabe zur Nutzung dieser Studienergebnisse: Quelle: Kantar

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