D21-Digital-Index 2019/2020


11. März 2020

Beatrice Richert

Allgemein, Studien

Auf dem D21-Digital-Kongress wurde am 25. Februar in Berlin die neueste Studie zur Digitalisierung in Deutschland veröffentlicht. Die Studie betrachtet das Thema Digitalisierung mit vielen verschiedenen Schwerpunkten. Vom Digitalisierungsgrad in Deutschland über die Offenheit der Bürger gegenüber der Digitalisierung bis zur Bedeutung der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Auch der Datenschutz und der Umgang mit den eigenen Daten sind Themen, die in der Studie D21-Digital-Index 2019/2020 untersucht wurden.

Vorteile der Digitalisierung nutzen

Der Präsident der Initiative D21 e. V. Hannes Schwaderer rief in seiner Begrüßung dazu auf, insbesondere die Vorteile der Digitalisierung verantwortungsvoll zu nutzen.

„Jeder in unserer Gesellschaft sollte einen Nutzen durch die Digitalisierung erhalten.“

Präsident der Initiative D21 e. V. Hannes Schwaderer

Spielerischen Zugang zur Digitalisierung suchen

Thomas Jarzombek, Beauftragter des BMWi (Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie) für die Digitale Wirtschaft und Startups, sprach in seiner Begrüßung darüber, wie man am einfachsten den Zugang zur Digitalisierung bekommt:

„Digitalisierung kann man nicht mal eben so strukturiert am Stück erlernen. Vieles hat mit Ausprobieren, Neugierde und Spielen zu tun. Wir müssen unsere digitalen Errungenschaften einfach mal ausprobieren, um Zugang zu finden!“

Thomas Jarzombek, Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Startups

Digitalisierungsgrad in Deutschland ist gestiegen

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21, stellte gemeinsam mit Andreas Pohle, CMTO von Kantar, die neuesten Ergebnisse des D21-Digital-Index vor: Mit 58 Punkten ist der Digitalisierungsgrad gegenüber den Ergebnissen aus dem vergangenen Jahr um drei Punkte gestiegen. Gleichzeitig ist eine Steigerung in allen vier Subindizes #Zugang, #Kompetenz, #Nutzungsverhalten und #Offenheit zu sehen. Die Digitalen VorreiterInnen sind mit 44 Prozent erstmals die größte Gruppe – darunter sind viele höher Gebildete und Menschen mit Schreibtischtätigkeit – 38 Prozent halten digital mit und 18 Prozent stehen digital im Abseits.

Die Studie untersucht die Offenheit der Bürger gegenüber der Digitalisierung

Betrachtet man die Ergebnisse zur Offenheit gegenüber der Digitalisierung, zeigt sich, wo die Probleme liegen. Nur die Hälfte der Bevölkerung ist an einem erweiterten „digitalen“ Wissen interessiert.

Nur 28 Prozent der Menschen mit niedriger Bildung haben überhaupt ein Interesse daran, ihre digitalen Kompetenzen zu erweitern!

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21

„Offenheit ist gut, aber Offenheit macht auch angreifbar. Um das Netz zu nutzen, muss ich Daten hinterlassen.
In welcher Weise sind die Menschen im Moment noch Herr ihrer Daten?

Andreas Pohle, CMTO von Kantar

Resignation beim Thema Datenschutz erkennbar

Vier von fünf digitalen Profis versuchen bereits ihre Daten in den Griff zu bekommen. Aber ist das derzeit möglich oder ist es eine Scheinsicherheit? Es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Fähigkeit, die eigenen Daten zu schützen, ist noch nicht flächendeckend verbreitet. „Unter den Bürgern sehen sich nur 43 Prozent überhaupt selbst in der Verantwortung für ihre Daten im Netz. Nachholbedarf gibt es auch hier insbesondere in den niedrigen Bildungsschichten“, so Pohle weiter.

Digitalisierungsfähigkeiten werden in der Arbeits- und Schulwelt zu wenig vermittelt

Die Ergebnisse zum Thema Digitalisierung in der Arbeitswelt zeigen, dass drei von vier Bürgern sich ein künftiges (Berufs-)Leben ohne Internet kaum vorstellen können. Jedoch ist nur die Hälfte derzeit bereit ihr digitales Wissen ausbauen. In Bezug auf Schulen glaubt nur ein Drittel daran, dass deutsche Schulen die notwendigen Digitalisierungsfähigkeiten vermitteln. Es herrscht laut Pohle „pure Stagnation“ beim Thema „flexibles Arbeiten“. In der Arbeitswelt ist die Digitalisierung noch längst nicht angekommen. Hier ist die Wirtschaft gefordert zu agieren, so sein Fazit.

Die Digitalisierung leistet zu wenig bei den wichtigsten Herausforderungen in der Arbeitswelt

Die Chancen der Digitalisierung sind da und werden gesehen. Aus Sicht der Deutschen leistet die Digitalisierung bei den meisten künftigen Herausforderungen im beruflichen Umfeld einen positiven Beitrag. Auf die wichtigsten Themen Fachkräftemangel, Verlust von Arbeitsplätzen und das Wegfallen ganzer Berufe und Tätigkeiten hat sie aber so gut wie keinen oder einen negativen Einfluss.

Zukunft der Digitalisierung im Quantencomputing

Miriam Meckel geht in ihrer Keynote auf die Zukunft der Digitalisierung ein. Durch das Quantencomputing werden in Zukunft Dinge möglich sein, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Die digitale Welt besteht dann nicht mehr nur aus Nullen und Einsen und die Möglichkeiten werden vervielfacht. Wie am Beispiel von Schrödingers Katze sind viele Optionen gleichzeitig möglich.

Die Menschen brauchen also heute schon eine Orientierung an dem, was ihnen Digitalisierung bringt und was sie leistet. Gleichzeitig müssen wir unterschiedliche Interpretationen in der Digitalisierung zulassen.

Prof. Dr. Miriam Meckel

Smarte Dörfer – digitales Leben auf dem Land

Silvia Hennig von Neuland21 berichtete am Nachmittag über die mögliche Dynamik bei der Entstehung von smarten Dörfern. Der heutige Stand der digitalen Transformation auf dem Land am Beispiel Brandenburg sieht wie folgt aus: 95 Prozent haben keine Digitalisierungsstrategie, 47 Prozent setzen bereits SmartCity Aktivitäten um. „Oft weiß man wofür man es tut, allein man weiß nicht, wie es eigentlich geht“, erklärt Silvia Hennig das aktuelle Dilemma vieler Städte und Dörfer. Ihre Empfehlung bei der Entwicklung von SmartCity Lösungen:

Immer an die Skalierung denken, Innovationsträger einbeziehen und eine kritische Masse an Nutzern erreichen!

Silvia Hennig von Neuland21

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellen die Bürgermeister der Städte Augustusburg und Bad Hersfeld ihre Herangehensweise an das Thema SmartCity vor. Dirk Neubauer gibt seinen Bürgern in Augustusburg eine eigene Stimme und viel Einfluss auf die Entscheidungen in der Stadt unter dem Motto „Die Stadt bist du, ich bin die Stadtverwaltung.“ Thomas Fehling sieht für jede Stadt die Möglichkeit, spannende Ideen zur Digitalisierung selbst umzusetzen und erklärt: „Großstädte haben kein Monopol auf gute Ideen!“

Panel OK Boomer: Wie erreicht man die junge Generation heute?

YouTuber Peter Smits findet, um die junge Generation zu erreichen hilft es, jung zu sein. Der ehemalige Politiker Ruprecht Polenz empfiehlt auch ein bisschen klassische Journalismus-Ausbildung in der Schule zu vermitteln. Zum Beispiel das zwei-Quellenprinzip wäre in der digitalen Welt sinnvoll zu kennen. Außerdem fordert er von jedem/jeder Abgeordneten mindestens eine Stunde am Tag im digitalen Raum unterwegs zu sein. Der Speaker und Autor Philipp Riederle stellt die Frage, wie wir es Unternehmen attraktiv machen können hier in Deutschland Plattformen zu schaffen, die nicht nur den jungen Nutzern ihre eigene Datensouveränität bieten? Autorin und Unternehmerin Diana Kinnert vergisst bei allen Zielen Richtung der jungen Generation nicht, dass der Anteil unserer älteren Bevölkerung stetig wächst. „Die Senioren sind unsere Zukunft! Wir müssen für sie ein neues Sinnkonzept durch die Digitalisierung entwickeln.“

Politik gehört uns allen, nicht nur den Politikern!

Autorin und Unternehmerin Diana Kinnert

Unser Fazit am Ende Tages: Wir müssen mehr ausprobieren, mehr zuhören, miteinander reden, voneinander lernen, nie aufhören zu lernen und die Menschen in die Entscheidungen der Digitalisierung integrieren.

Weitere Studien zu Digitalisierungsthemen:

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